Die Liebe wird oft mit einem Feuer verglichen, das am Brennen gehalten werden muss, aber wir vergessen dabei, dass das Feuer auch eine Richtung braucht.
Man kann endlos Holz werfen, aber wenn man nicht weiß, wohin man geht, wärmt das Feuer nur einen kleinen Fleck, so ein -Korrespondent.
Am Anfang einer Beziehung verbindet uns die Leidenschaft, die gemeinsamen Interessen, einfach der Wunsch, dem anderen jede Minute nahe zu sein. Aber die Jahre vergehen, die Leidenschaft lässt nach, und eines Morgens wachen wir mit der Frage auf: Was haben wir noch gemeinsam, abgesehen von Kindern und einer Hypothek?
Gemeinsame Ziele sind nicht unbedingt globale Pläne für eine Million, sie sind irgendein „Wohin wir gemeinsam gehen“. Eine Wohnung kaufen, Kinder großziehen, zehn Länder bereisen, Spanisch lernen, ein Unternehmen gründen – es ist egal, was, wichtig ist, dass wir zusammen sind.
Die Familiensystempsychologie hat schon lange festgestellt: Paare ohne gemeinsame Ziele trennen sich häufiger als solche, die ein gemeinsames Projekt haben. Denn das Projekt bindet, lässt sie diskutieren, streiten, zustimmen, in dieselbe Richtung gehen.
Wenn jeder sein eigenes Ziel hat, das sich nicht mit dem des Partners überschneidet, werden die Menschen im Leben zu Nachbarn, nicht zu Familien. Sie können sich lieben, aber in unterschiedliche Richtungen gehen, und früher oder später wird die Distanz zu groß.
Das Wertvollste an gemeinsamen Zielen ist nicht das Ergebnis, sondern der Weg, den man gemeinsam geht, mit seinen Höhen und Tiefen. Auf dieser Reise lernt man zu unterstützen, nachzugeben, sich über die Siege des anderen zu freuen und über Niederlagen zu trauern.
Liebe ohne Vorwärtsbewegung versauert wie Wasser in einem Sumpf, und nur eine gemeinsame Strömung bewahrt sie davor, schal zu werden. Deshalb ist es so wichtig, sich von Zeit zu Zeit hinzusetzen und auf die Uhr zu schauen: Sind wir auf dem richtigen Weg und sind wir zusammen?
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