Warum finden wir Babys so süß?

Foto: aus öffentlichen Quellen

Die Niedlichkeit von Babys ist nicht nur eine emotionale Schwäche des Menschen, sondern ein komplexer und sehr effektiver Mechanismus der Evolution

Versuchen wir zu verstehen, warum wir Babys im Supermarkt unwillkürlich anlächeln, mit ihnen mit lustiger Stimme sprechen und eine plötzliche Wärme empfinden, denn es stellt sich heraus, dass dies kein Unfall oder eine Schwäche ist, sondern eine der raffiniertesten Strategien der Evolution.

Stellen Sie sich vor, Sie stehen in einer Warteschlange in einem Geschäft und plötzlich sehen Sie ein Baby in einem Kinderwagen. Große Augen, runde Wangen, kleine Nase, und schon lächelst du, obwohl du die Eltern des Babys gar nicht kennst.

Dieses Gefühl kennt fast jeder, und es gibt eine wissenschaftliche Erklärung dafür, wie Psychology Today berichtet. Psychologen und Biologen erforschen seit langem das Phänomen, warum Babygesichter eine so starke emotionale Reaktion hervorrufen. Es stellte sich heraus, dass die Niedlichkeit von Babys nicht nur eine nette Eigenschaft ist, sondern ein Überlebensmechanismus, der sich über Millionen von Jahren entwickelt hat.

Baby Niedlichkeit

Im Jahr 1943 beschrieb der österreichische Ethologe Konrad Lorenz ein Phänomen, das er „Kindchenschema“ nannte. Er beobachtete, dass die meisten Säuglinge gemeinsame Merkmale haben:

  • ein großer Kopf im Verhältnis zum Körper;
  • große Augen, die tiefer im Gesicht liegen;
  • runde Wangen;
  • kleine Nase;
  • weiche und abgerundete Formen.

Es sind diese Merkmale, die im erwachsenen Gehirn eine sofortige Reaktion des Wunsches nach Schutz, Pflege und Hilfe auslösen. Es handelt sich dabei um eine Art „Zugangscode“ zu unserem Gehirn. Wenn wir solche Merkmale sehen, fühlen wir uns instinktiv mit dem Baby verbunden, selbst wenn es uns um drei Uhr morgens geweckt hat.

Niedlich funktioniert auch zwischen verschiedenen Arten

Interessanterweise funktioniert dieses Muster nicht nur bei menschlichen Säuglingen. Die gleichen Merkmale sind vorhanden:

  1. Welpen;
  2. Kätzchen;
  3. Seehundwelpen;
  4. Pandas;
  5. Zeichentrickfiguren.

Mickey Mouse zum Beispiel hat überproportional große Augen und ein rundes Gesicht. Deshalb wirkt er niedlich und erweckt Sympathie. Mit anderen Worten: Niedlichkeit ist die universelle Sprache des Gehirns.

Was passiert im Gehirn, wenn wir einen Säugling sehen?

Die Reaktion auf das Gesicht eines Babys erfolgt fast augenblicklich. In einer Studie aus dem Jahr2008 fanden Wissenschaftler heraus, dass das Gehirn auf das Gesicht eines Babys in etwa einer Siebtelsekunde reagiert, bevor der Mensch überhaupt Zeit hat, den Gedanken „Was für ein süßes Baby“ zu realisieren. Aktiviert:

  • Befriedigungszentren;
  • Motivationssysteme;
  • Bereiche mit Bezug zur Pflege.

Parallel dazu wird eine echte „chemische Reaktion“ ausgelöst:

  1. Dopamin löst ein Gefühl der Freude aus;
  2. Oxytocin verstärkt die emotionale Bindung.

Zusammen erzeugen sie einen starken Instinkt für die Pflege.

Warum Säuglinge besonders hilflos sind

Vergleicht man den Menschen mit anderen Arten, so ist der Unterschied frappierend. So kann zum Beispiel ein neugeborenes Reh schon nach wenigen Stunden stehen, eine Babyschildkröte kann sich selbständig ins Meer begeben, während ein menschliches Kleinkind nicht einmal den Kopf hochhalten kann. Diese Hilflosigkeit ist auf zwei Merkmale der menschlichen Evolution zurückzuführen, nämlich ein großes Gehirn und eine aufrechte Haltung.

Aus diesem Grund werden Säuglinge sehr verletzlich geboren und benötigen eine langfristige Betreuung. Deshalb hat die Evolution dieses Problem „gelöst“ und Babys so niedlich wie möglich gemacht, damit Erwachsene sie nicht ignorieren können.

Niedlich macht uns vorsichtiger

Interessanterweise beeinflusst Niedlichkeit sogar unser Verhalten. In einer Studie betrachteten die Teilnehmer Bilder von Tierbabys. Sie schnitten dann bei Aufgaben, die präzise und vorsichtige Bewegungen erforderten, besser ab. Mit anderen Worten: Niedliche Bilder machten die Menschen aufmerksamer und sensibler, genau so, wie man mit einem Baby umgehen sollte.

Der Einfluss von Niedlichkeit auf das Marketing

Heute wird der Mechanismus der „kindlichen Niedlichkeit“ von den Vermarktern aktiv genutzt. Große Augen, runde Formen, sanfte Farben – all das erweckt Vertrauen und Sympathie. Das ist der Grund:

  • Marken schaffen „niedliche“ Maskottchen;
  • Logos werden rund gemacht;
  • Werbefiguren haben große Augen.

Psychologen scherzen sogar über das Phänomen des „niedlichen Kapitalismus“: Wenn etwas klein und schutzlos aussieht, wollen die Menschen es unbewusst unterstützen oder zumindest kaufen.

Niedliche Babys sind nicht nur eine emotionale Schwäche des Menschen, sondern ein komplexer und sehr effektiver evolutionärer Mechanismus. Große Augen, runde Wangen und kleine Schnuller lassen unser Gehirn sofort in den Fürsorgemodus schalten. So haben hilflose Menschenbabys eine Chance, erwachsen zu werden, und die Menschheit kann weiter existieren.

Wenn Sie sich also das nächste Mal dabei ertappen, wie Sie das Baby eines anderen Menschen anlächeln oder mit einem Welpen mit Babystimme sprechen, machen Sie sich keine Sorgen, das ist kein seltsames Verhalten, sondern eine der erfolgreichsten Überlebensstrategien der Evolutionsgeschichte.

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