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Die Ära der autoritären Führungskräfte, deren Stimme im Büro am lautesten war, gehört endgültig der Vergangenheit an
Bei der Führung geht es heute nicht nur um Strategie, IQ oder Angeberei. Zu lange schien es, dass derjenige mit der lautesten Stimme im Raum gewinnt. Doch Psychologen räumen mit diesem Mythos auf. Forschungen in der Organisationspsychologie weisen darauf hin, dass die Fähigkeiten, die den tatsächlichen Einfluss von Führungskräften am genauesten vorhersagen, zutiefst menschlich sind: emotionale Intelligenz, Kompetenz, Demut und die Fähigkeit, psychologische Sicherheit zu schaffen.
Diese Eigenschaften entscheiden darüber, ob Menschen Ihnen vertrauen, ob sie Sie herausfordern und ob sie letztlich für Sie arbeiten. Dies sind keine „Soft Skills“. Sie sind Multiplikatoren der Effektivität. Es gibt drei Eigenschaften, die die Psychologie am engsten mit dem Erfolg von Führungskräften verbindet, schreibt Forbes.
Emotionale Intelligenz: die Fähigkeit, die Talente arbeiten lässt
Emotionale Intelligenz ist eine Triebfeder für Effektivität – und wer sie besitzt, kann Emotionen erkennen, regulieren und effektiv darauf reagieren, seine eigenen und die anderer. Daniel Goleman, der mit seiner Arbeit dazu beigetragen hat, die emotionale Intelligenz in die Wissenschaft der Führung einzuführen, erklärt, dass es bei der Führung nicht um Dominanz geht, sondern um die Kunst, Menschen davon zu überzeugen, auf ein gemeinsames Ziel hinzuarbeiten“ – eine Fähigkeit, die auf emotionaler Wahrnehmung und Regulierung beruht. Und die Forschung bestätigt, dass er Recht hat.
Führungskräfte mit einem hohen Maß an emotionaler Intelligenz schaffen stärkere Beziehungen, gehen besser mit Konflikten um und bilden engagiertere Teams und lassen ihre Konkurrenten im Dunkeln.
Demut: Führung, die zum Mitmachen einlädt
Jahrzehntelang wurde Demut in Führungskreisen fälschlicherweise für Schwäche gehalten – zu Unrecht. Laut Bradley Owens, einem Forscher der University at Buffalo, der sich mit bescheidener Führung befasst, sind es drei Verhaltensweisen, die diese Superkraft des Managers ausmachen: Fehler zugeben, die Stärken anderer anerkennen und die Fähigkeit zu lernen. Diese Verhaltensweisen wirken sich unmittelbar auf das Funktionieren von Teams aus.
Eine im Academy of Management Journal veröffentlichte Studie hat eindeutig gezeigt, dass bescheidene Führungskräfte ein stabiles Lernumfeld schaffen, weil sich die Mitarbeiter sicher fühlen, ihre Ideen mitzuteilen und Risiken einzugehen. Mit anderen Worten: Bescheidenheit schmälert nicht die Macht oder Autorität. Sie vergrößert die Intelligenz im Raum. Die Harvard-Führungsforscherin Amy Edmondson stellt fest: Führungskräfte, die den Mut haben zu sagen: „Ich könnte falsch liegen“, treffen bessere Entscheidungen, weil die Menschen eher bereit sind, ihnen die bittere Wahrheit zu sagen.
Psychologische Sicherheit: eine Kultur des Mutes
Wenn die emotionale Intelligenz reguliert und die Demut zur Teilnahme einlädt, entscheidet die psychologische Sicherheit darüber, ob die Menschen tatsächlich das Wort ergreifen werden. Eine der größten „roten Flaggen“ für eine Führungskraft ist es, wenn sie ihre Rede beendet und Stille den Raum einhüllt. Die größte „rote Flagge“? Wenn Menschen, die früher das Wort ergriffen, Fragen gestellt oder Ideen in Frage gestellt haben, dies nicht mehr tun.
Amy Edmondson, Professorin an der Harvard Business School, definiert psychologische Sicherheit als „die Überzeugung, dass man nicht bestraft oder gedemütigt wird, wenn man seine Ideen, Fragen, Bedenken oder Fehler äußert“. Mit anderen Worten: Wenn diese Sicherheit nicht vorhanden ist, schweigen die Menschen – selbst wenn sie Probleme auf sich zukommen sehen. Das ist der Grund, warum Teams mit einem hohen Maß an psychologischer Sicherheit in Bezug auf Innovation, Lernen und finanzielle Ergebnisse durchweg besser abschneiden als andere. Jeden Tag bestimmt eine Führungskraft die „Temperatur des Klimas“ durch ihren Ton, ihre Neugier und die Art und Weise, wie sie auftritt, wenn jemand eine Idee in Frage stellt.
Warum das wichtig ist
Die Zukunft der Führung liegt nicht darin, wer den Raum beherrscht. Sie liegt darin, wer ihn stabilisiert. Führungskräfte, die emotionale Intelligenz, Bescheidenheit und psychologische Sicherheit miteinander verbinden, schaffen ein Umfeld, in dem die Menschen klarer denken, Ideen offener hinterfragen und Probleme schneller lösen. Mit anderen Worten: Sie managen nicht nur Menschen. Sie setzen ihr Potenzial frei.
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